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NATURRAUM UND PHYSISCHE GEOGRAPHIE

Gewinner und Verlierer

Einleitung

Die Verbreitung von Tieren ist nie statisch – selbst innerhalb relativ kurzer Zeitspannen können Areale schrumpfen, Arten aussterben oder neu einwandern. Oftmals ist dies durch Aktivitäten des Menschen bedingt: Verbauung, Zerschneidung der Landschaft und die Intensivierung der Landnutzung (große Monokulturen in Land- und Forstwirtschaft) führen oft zum Aussterben von Arten. Mit dem globalen Handel kommt es tagtäglich zur Verschleppung von Arten, die dann neue Gebiete besiedeln können, und auch der Klimawandel trägt erheblich zur Veränderung der Fauna bei. Die Karten im Schulatlas zeigen fünf typische Verlierer und drei typische Gewinner, im Buch zur Tierwelt der Steiermark finden sich dann noch viele weitere.

Die Blauracke (Coracias garrulus) war eine typische Art der traditionellen Kulturlandschaft des steirischen Alpenvorlands. Allerdings ernährt sie sich von großen Insekten (z. B. Heuschrecken) und brütet in Baumhöhlen. Durch die flächige Intensivierung der Landwirtschaft sowie Monotonisierung und Verbauung der Landschaft verschwanden sowohl insektenreiche Wiesen als auch Streuobstbestände mit alten Bäumen und Baumhöhlen. Heute gibt es nur noch wenige Individuen dieser schönen Vogelart in der Südoststeiermark. Ähnliches gilt für den Mornellregenpfeifer (Eudromias morinellus), der die Hochlagen in Teilen der steirischen Zentralalpen bewohnt.

Schon vor rund 400 Jahren ausgerottet wurde der Waldrapp (Geronticus eremita), ehemals Brutvogel am Grazer Schlossberg, der in den Murauen südlich davon (u. a. in der Karl-Au, heute Karlau) nach Nahrung suchte. Er stand auch global kurz vor dem Aussterben, doch gibt es seit etwa 20 Jahren Zucht- und Wiederansiedelungsprojekte, sodass man heute auch hin und wieder einen Trupp ziehender Waldrappe in der Steiermark beobachten kann.

Vor rund 100 Jahren ausgestorben sind zwei Arten, die spärlich bewachsene, regelmäßig überschwemmte und umgelagerte Schotter- und Sandbänke von Flüssen als Lebensraum brauchen: Die Türks Dornschrecke (Tetrix tuerki) an der Enns und der Blaugrüne Buntgrabläufer (Poecilus striatopunctatus) an der Mur. Zunächst führten die Regulierungen fast aller Flüsse der Steiermark viele Arten an den Rand ihres Aussterbens, die Errichtung von Flusskraftwerken ohne entsprechenden ökologischen Ausgleich besiegelte schließlich das Ende dieser Lebensräume und der an sie angepassten Arten.

Auch der Biber (Castor fiber) wurde vor rund 150 Jahren ausgerottet – er ist allerdings eine der wenigen Erfolgsgeschichten des Naturschutzes: Vor rund 20 Jahren begann er, von Slowenien kommend, entlang der Mur mit der Wiederbesiedelung der Steiermark. Inzwischen wanderte er auch über Raab und Enns ein und ist in rund einem Viertel seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes wieder heimisch geworden. Durch seine Fäll- und Grabaktivitäten fördert er den Wasserrückhalt in der Landschaft und erhöht die Artenvielfalt in und an Gewässern beträchtlich – gerade in Zeiten des Klimawandels kann der Biber so viel zu einem ausgeglicheneren Wasserhaushalt der Gewässer und Böden im steirischen Alpenvorland beitragen.

Wie schon dargelegt, werden jedes Jahr viele Arten – absichtlich oder unabsichtlich – vom Menschen in die Steiermark eingeschleppt. Manche etablieren sich und können dann beträchtliche wirtschaftliche oder gesundheitliche Schäden verursachen. Dazu zählen neben den schon erwähnten z. B. die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) oder die Amerikanische Rebzikade. Andere Arten sind Profiteure des Klimawandels und der menschlichen Verbauung der Landschaft, wie die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea), die aus dem Mittelmeerraum stammt und erst vor rund 50 Jahren begann, die Steiermark zu besiedeln, und die Gemeine Rasenameise (Tetramorium immigrans), die ebenfalls erst seit den 1960er Jahren zwischen Pflastersteinen und Hausmauern in der Steiermark zu finden ist.

Daten zu diesen Arten lieferten das Ökoteam, Birdlife Steiermark, die Arge Heuschrecken Österreich und das Land Steiermark (siehe auch Ökoteam 2021), die Buchbeiträge stammen von Brigitte Komposch, Lisbeth Zechner, Wolfgang Paill, Herbert Wagner und weiteren AutorInnen.


Große Rückeroberer
Große Rückeroberer



Klimawandel Gewinner
Klimawandel Gewinner



Starker Bestandrückgang
Starker Bestandrückgang



In der Steiermark fast ausgestorben
In der Steiermark fast ausgestorben



Quellenverzeichnis

Holzinger W. E. (Hg.) (2025): Die Tierwelt der Steiermark. Verlag Leykam, Graz. In Vorbereitung.

Ökoteam (2021): Rote Listen der Tiere der Steiermark, Teile 1, 2A und 2B. Projektbericht i.A. der Österreichischen Naturschutzjugend für das Land Steiermark, Naturschutz. Teil 1, 85 S., Teil 2A, 501 S., Teil 2B, 217 S., in der Fassung vom 30.11.2021. https://www.verwaltung.steiermark.at/cms/ziel/167732460/DE/


Autorinnen und Autoren

Text:
Dr. Werner Holzinger (2024)

Kartengestaltung:
Anna-Maria Weissinger, MSc (2024)

Web-Bearbeitung:
Anna-Maria Weissinger, MSc (2024)

Redaktionelle Bearbeitung:
Ao. Univ. Prof. Mag. Dr. Gerhard Karl Lieb & Alexander Doric (2024)


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